#FAV14: #Blogparade “Zeitvertreib” des Theaterfestivals FAVORITEN

Das Theaterfestival FAVORITEN in Dortmund hat zu einer Blogparade zum Thema Zeitvertreib aufgerufen:

http://favoriten2014.tumblr.com/post/79749272636/aufruf-zur-blogparade-zeitvertreib-des

Auch wenn ich gestehen muss, das ich eigentlich nur teilweise Theateraffine bin, so fand ich das Thema Zeitvertreib spannend. Da es ferner in dem Aufruf hieß, jeder könne teilnehmen, und es nicht so klang, als ob nur Zeitvertreib im Kontext Theater gemeint war, dachte ich, ich schreibe auch mal ein paar Gedanken zu diesem Thema auf. Also, hier kommt mein Beitrag:

Zeitvertreib

Was ist Zeitvertreib? Etwas, womit man sich die Zeit vertreibt. Womit vertreibe ich mir die Zeit? Zusammengefasst würde ich sagen, mein Zeitvertreib ist nichts Geringeres als das Erschaffen von Welten. Mein Vorbild ist der preisgekrönte Architekt Slartibartfaß, dem Erschaffer von Norwegen, wie er so schön in Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ beschrieben ist. Auch wenn es mir nicht vergönnt ist, reale Planeten zu gestalten, so kann ich doch durch das Schreiben von Geschichten und mit Hilfe von Computer generierter Virtual-Reality fantastische Welten erschaffen. Hat das etwas mit Kunst zu tun? Da soll sich jeder selber ein Urteil bilden. Allgemein wird kreatives Schreiben als künstlerischer Ausdruck anerkannt. Was den Bau von virtuellen Welten angeht: Nun, wenn man auf einer vollen Party gerne einen ruhigen, ungestörten Abend verbringen will, dann ist das ein sehr gutes Gesprächsthema. Aber keine Sorge, ich will nicht jammern. Dass man mit ausgefallenen Hobbys nicht immer Wellen der Begeisterung in seinem sozialen Umfeld auslöst, ist ja nichts Ungewöhnliches. Kaninchenzüchtern und Briefmarkensammlern wird es da nicht unbedingt besser gehen. Ich finde es nur spannend, dass zwei Tätigkeiten, deren dahinter stehende Motivation genau gleich ist, derartig unterschiedlich wahrgenommen werden.

Doch zurück zum Thema Zeitvertreib. In einem anderen Beitrag, schrieb der Autor, dass er sich von dem Thema nicht so recht angesprochen fühle, da für ihn bei dem Begriff „Zeitvertreib“ eine gewisse Abwertung mitschwingen würde. Etwas, wo man viel Zeit und Begeisterung einbringt, einfach mit dem Begriff Zeitvertreib zu titulieren, sei unangebracht. „Hmm, ist das so?“ fragte ich mich. Was klingt denn abwertend an dem Begriff „Zeitvertreib“? Es ist eine Tätigkeit, die nicht auf ein direktes Ziel ausgerichtet ist. Zeitvertreib muss nicht nützlich für das Individuum oder die Gesellschaft sein. Insofern ist es doch tatsächlich etwas Belangloses, Überflüssiges. Man könnte doch die Zeit besser nutzen. Es gibt so vieles, wo persönliches Engagement dringend gebraucht wird. Sollte man nicht irgendwie ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich seine Zeit einfach vertreibt? Überall wird man mit Beratungsangeboten zur Verbesserung der eigenen Effizienz beglückt. Zeitvertreib ist doch längst out. Nur sinnvoll eingesetzte Zeit, die einen oder die Gesellschaft voranbringt, ist gut eingesetzte Zeit! Willkommen in Momos Welt der grauen Herren. Die sagen einem schon, wie und wo man Zeit sparen kann. Ich mag aber den Begriff „Zeitvertreib“, auch wenn, oder besser gerade weil in ihm Verschwendung und Sinnlosigkeit mitschwingen. Ist man da nicht auch schon wieder eng bei dem Begriff Kunst? Auch alle Formen von Kunst sind eigentlich sinnlos und Verschwendung. Man kann ohne eine Mona Lisa leben, aber nicht ohne Ackerbau. Doch will man das? Eine wunderbare Geschichte hierzu ist das Buch die „Grille und der Maulwurf“ von Janosch.

Insofern fröne ich hemmungslos meinen beiden Formen der Weltenerschaffung. Dabei finde ich gerade den Unterschied zwischen kreativem Schreiben und dem Bau von Virtual-Reality spannend. Auch wenn beides Techniken sind, um Welten zu erschaffen, so haben beide Wege ihre ganz spezifischen Stärken und Schwächen. Beim Schreiben ist die Grenze nur die eigene Fantasie und die Fähigkeit, diese in Worte zu fassen. Man kann beliebige Welten erschaffen. Man kann mit wenigen Sätzen die Grenzen von Raum und Zeit beliebig dehnen. Im Gegensatz dazu ist der Prozess Fantasien in 3D Welten zu gießen viel mühsamer und schwerfälliger. Jedes Gebäude, jeder Berg muss einzeln gebaut werden. Aber hier ist auch wieder eine Ähnlichkeit zum Theater. Auch hier braucht man Techniker, die sich um Bühnenbild, Beleuchtung und Tontechnik kümmern. Doch wenn eine Bühne erst erschaffen ist, kann man in die Geschichte eintauchen. Computerspiele sind heute schon lange nicht mehr einfach Spiele, wo man nur irgendwelche Punkte sammelt, sondern meistens werden auch hier komplexe Geschichten erzählt. Und gerade bei allen Spielen, in denen die Interaktion realer Menschen im Vordergrund steht, ist eine ausgeprägte Nähe zum freien Improvisationstheater gegeben. Auch hier erschafft man Charaktere und schickt sie auf die Bühne einer fiktiven Welt, um zu erleben, wie diese dort bestehen. Wer möchte nicht einmal wie Bastian aus „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende auf dem Rücken des Drachen Fuchur über die Welt von Phantasien fliegen?

Moderne Technik macht es möglich. Ist man bereit sich für begrenzte Zeit von seinem Alltagsselbst zu verabschieden, kann man auf diese Weise Reisen durch Raum und Zeit unternehmen. Das sind meine Arten mir Zeit zu vertreiben, Zeit zu verschwenden, vielleicht sogar Zeit zu vergeuden. Es ist überflüssig und sinnlos. Und genau das gefällt mir und macht für mich den Sinn.

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