Conny Schramm bei der Suedlese: “Auf der Suche”

So endlich komme ich dazu anzufangen die Beiträge, die mir von den Autoren netter weise für meinen Blog zur Verfügung gestellt worden sind auch mal einzupflegen. Heute fange ich mit dem Text von Conny Schramm an, den sie auf der Suedlese gelesen hatte. Wie bei anderen Texten auch, habe ich auch eine PDF-Version im Tab Lesestoff eingestellt:

Auf der Suche
Conny Schramm

Es ist Sommer im Jahre 2001. Freunde haben mich zu einem Urlaub nach Skandinavien eingeladen. Da müssen sie mich nicht lange überreden, ich bin sofort Feuer und Flamme. Zwei Tage vor meiner Abreise, kaufe ich mir ein Handy. Zu dem Zeitpunkt, habe ich nicht nur keine Ahnung von der Bedienung eines solchen Gerätes, ich hielt einen Besitz bisher für äußerst überflüssig. Für meinen Trip in zwei fremde Länder, möchte ich jedoch gut ausgestattet sein. Wie soll ich auch sonst mit Marc und seinen Freunden Kontakt aufnehmen? Die Truppe ist schon vor ein paar Tagen nach Schweden gereist.
Im Geschäft frage ich mehrfach, ob das Telefon auch wirklich außerhalb von Deutschland funktioniert. Der Verkäufer rollt schon leicht genervt mit seinen Augen. Am Vorabend der Reise ruft mich Marc auf meinem Festnetz an. Er bittet mich noch einige Dinge zu besorgen und notiert gleich meine Handynummer. Das Telefonat ist kurz. Es endet mit der Ansage, den Rest besprechen wir, wenn du in Schweden ankommst. Bitte melde dich noch einmal vom Schiff. Wir hatten nicht einmal über die genaue Anschrift gesprochen.

Ich möchte mit einer Fähre der „TT-Line“ von Lübeck Travemünde nach Trelle-borg reisen. Staunend stehe ich vor dem Meeresgiganten. Ein so imposantes Schiff habe ich noch nie gesehen. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude. Das Wetter ist, passend zu meiner Urlaubsstimmung, phantastisch. Ich sehe mich gleich nach einem gemütlichen Plätzchen, draußen auf dem Oberdeck um und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Während die Sonne den Himmel in glühend rot, orange Farben taucht, telefoniere ich mit meinen Eltern. Solch ein Mobiltelefon ist doch recht nutzbringend. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, denke ich.

Es wird kühl und ich suche ich mir einen Ort, an dem ich halbwegs bequem und ungestört schlafen kann.
Am Morgen erwache ich durch reges Treiben rings um mich her und dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Ich erblicke in einiger Entfernung schon das Festland. Das ist bestimmt Schweden, denke ich und hole mir, gut gelaunt, einen Capuccino. Ich genieße ihn bei Sonnenschein draußen auf dem Deck.
Ich wähle die Nummer von Marc. Leider höre ich nicht einmal einen Piep. Ach, ich muss ja eine Vorwahl für Schweden benutzen.

„Können sie mir die Vorwahl von Schweden nennen?“ erkundige ich mich bei dem gutaussehenden blonden, Mann. Er ist vermutlich Schwede. Ich unterhalte mich kurz mit ihm und erfahre, dass er aus Malmö stammt. Er hilft mir gleich mit der richtigen Vorwahl. Sofort starte ich einen erneuten Versuch, um die Crew, aus dem Haus am See zu erreichen.Wieder höre ich nicht einmal einen Piepton in meinem Gerät. Leicht hektisch drücke ich die Tasten und wähle immer wieder Marcs Nummer. Bekümmert muss ich erkennen, dass entgegen aller Zusage, die moderne Anschaffung, außerhalb Deutschlands nicht funktioniert. »Mist«.

Wie kann ich jetzt mit meinen Freunden, in Schweden, Kontakt aufnehmen? Ich habe nur äußerst spärliche Informationen über den Aufenthaltsort von Ihnen. Ich weiß nur, sie sind in einem Haus am See, im Wald, – in geringer Entfernung zu einem Ortes namens Ryd. Wir legen in Trelleborg an und ich suche mir sofort den Bahnhof. Er befindet sich zum Glück in unmittelbarer Nähe vom Hafen. Ein freundlicher Fahrkartenverkäufer kümmert sich um die Abfertigung der anderen Passagiere. Ich lächle ihn an und frage ihn auf Deutsch: „Können sie mir sagen wie ich am Besten nach Ryd komme?“ Der nette Herr lächelt zurück und antwortet im perfekten Deutsch: „Junge Dame in welches Ryd möchten sie denn überhaupt?
Wes gibt in Schweden wenigstens fünf Orte mit dem Namen Ryd“ Fassungslos starre ich ihn an. „Oh nein das kann doch nicht wahr sein“, murmel ich. Warum passieren eigentlich immer mir solche Dinge? Jetzt ist guter Rat wirklich teuer? Was soll ich nur tun? Ich muss mich erst einmal setzen und über die Situation nachdenken. Meine Hoffnungen auf einen schönen Urlaub und die Chance meine Leute zu finden sinken auf den Nullpunkt.

Doch so schnell gebe ich nicht auf. Ich bin schließlich nicht den weiten Weg nach Schweden gereist, um gleich wieder um zu kehren. Es ist ja nicht das erste Mal, dass bei meinen Reisen etwas schiefgeht. Ich erkundige mich nach der Verbindung, zu dem Ryd, dass sich von hier aus, am nächsten befindet. Der Bahnbeamte verkauft mir nicht nur ein Ticket, sondern druckt mir noch zwei Zugverbindungen aus. So erfahre ich, wie ich von Malmö aus noch zwei andere Ortschaften Ryd erreichen kann. Mit dankbarem Lächeln verabschiede ich mich.

Nach ca. zwei Stunden erreiche ich einen Ort Ryd. Nur wenige Passagiere steigen mit mir zusammen aus. Das wundert mich nicht, denn dies scheint ein ziemlich kleines Provinznest zu sein. Als ich aus dem Bahnhofsgebäude trete, verlässt mich mein Optimismus. Wie wahrscheinlich ist es, dass meine Freunde hier ihren Urlaub verbringen, und dass ich sie dann auch noch zufällig treffe? Frust breitet sich in mir aus. Hilfe, wie ich das hasse! Ich kaufe mir erst einmal ein Eis. Ich liebe Eis. Es ist für mich nicht nur lecker, sondern auch sehr tröstlich. Während ich so in der Sonne sitze und mein Eis genieße, höre ich auf einmal einen Ruf. Hat da nicht ebend jemand meinen Namen gerufen? Nein das kann ja wohl nicht sein. Das muss ich mir eingebildet haben. Bekommt man etwa von schwedischem Eis Halluzinationen, frage ich mich leicht besorgt. Erneut erklingt der Ruf. Dieses Mal ist es klar und deutlich zu hören. Irgendjemand ruft Conny, meinen Namen. Während meine Augen den Platz absuchen, steht auf einmal ein junger Mann vor mir. Es ist Marc aus Dresden, der schon seit geraumer Zeit auf mich wartet. Lachend schließt er mich in die Arme. Er sagt: „Es ist wirklich schön dich zu sehen, denn du machst es einem ja nicht gerade leicht dich zu finden.“ Ich kann mein Glück kaum fassen und be-richte ihm sogleich von meinem Abenteuer. Wieder Erwarten, war ich also in dem „richtigen“ Ryd gelandet. Es grenzt schon beinahe an ein Wunder, dass wir uns wirklich dort in Schweden gefunden haben.

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