Meine erste Woche des NaNoWriMo

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mich an dem NaNoWriMo (der National November Writing Month) zu beteiligen. Für die Leser, denen dieser Begriff noch nicht unter gekommen ist: Das ist so eine Art Schreibmarathon, bei dem es nur darauf ankommt, innerhalb des Novembers 50.000 Wörter zu schreiben. Man soll zwischen durch seinen Text weder nochmal lesen und erst recht nicht überarbeite. Das kann man später tun. Das ganze wird weder ernsthaft kontrolliert, noch gibt es etwas zu gewinnen. Es ist also eigentlich einfach eine Sache, die man für sich selber, bzw. mit Freunden zusammen veranstaltet. Die Aktion ist nicht ganz unumstritten. Der nicht ganz unbegründete Vorwurf lautet. Wenn man auf Zwang schreibt, leidet die Qualität. Nun ja, das Motto dieser Aktion ist tatsächlich eher:

„Quantität vor Qualität!“

Hartgesottenen Literaten mögen sich da die Fußnägel bei aufrollen. Aber als Ingenieur bin ich es gewohnt mit Dead-Lines arbeiten zu müssen und weiß sie durchaus zu schätzen, wenn man größer angelegte Projekte systematisch zu einem erfolgreichen Ende bringen will. Und da ich schon länger so ein Romanprojekt in meiner Schublade liegen habe, wo es die letzten zwei Jahr immer nur homöopathisch voran gegangen ist, dachte ich mir: „Nimm doch mal diese Aktion mit!“

Naja, dann verließ mich mein eigener Mut. Bzw., ich habe mich selber realistisch eingeschätzt. 50.000 Wörter in einem Monat bedeutet eine durchschnittliche Tagesleistung von ca. 1600 Wörtern. Dann schaute ich mir meinen Terminkalender an und lachte einmal los. Hier waren unter anderem ein Laterne-Laufen mit den Kindern, eine Weihnachtsfeier und natürlich die alle zwei Wochen stattfindende Schreibwerkstatt. Daraufhin habe ich mein Tagessoll ganz selbstherrlich auf 1000 Worte herab gesetzt und mir gesagt: „Gut, dann machst du einfach außer Konkurrenz mit.“

Sollte ich das schaffen, wären das immerhin 30.000 Worte. Mit den 22.000 Worten, die mein Romanprojekt schon hat, könnte ich auf gut 50.000 Worte kommen. Damit hätte ich meine Geschichte zwar wohl noch nicht ganz fertig, aber zumindest hätte ich sie signifikant voran gebracht und wäre vom Kopf auch wieder richtig drin, sodass ich ganz vorsichtig anfangen würde zu hoffen, sie 2017 vielleicht fertig zu stellen.

Nun ja, soviel zu den guten Vorsätzen, die ich hier so öffentlich mache, um mich selber ein bisschen unter Druck zu setzten. Die erste Woche ist aber auch schon recht gut gelaufen und ich habe schon 8.800 Wörter zu Papier gebracht. Wer jetzt rechnet und feststellt, dass ich damit am 6. November mein persönliches Tagessoll doch mit 1.466 Wörtern locker überschritten hätte, dem muss ich beichten, dass ich hier erneut leicht geschummelt habe, da ich dreister Weise schon letzten Sonntag angefangen habe zu schreiben. Damit komme ich nur noch auf 1.100 Wörter pro Tag. Aber wie gesagt, ich brauch auch noch etwas Reserve, da es noch genügend Tage gibt, an denen ich nicht zum Schreiben kommen werde.

Insofern bin ich ganz zufrieden und freue mich, dass es mir bisher bei weitem leichter gefallen ist zu schreiben, als ich es vorher gedacht hatte. Irgendwie hat es tatsächlich funktioniert einfach loszulegen, wenn ich mir immer wieder das Motto „Quantität vor Qualität!“ ins Gedächtnis rief. Nach einem anfänglich pikiert sein, hat sich mein innerer Lektor dann doch, zwar leicht schmollend, aber leise verzogen und mir gesagt: „Ach, mach doch, was du willst.“ Und irgendwie flossen dann tatsächlich die Worte aus meinen Fingern.

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4 Antworten auf Meine erste Woche des NaNoWriMo

  1. Markus sagt:

    Hallo Wilfried,

    das hört sich so an, das der NaNoWriMo für dich funktioniert. Genau das ist, meiner Meinung nach, der Sinn der Sache: Enthemmt schreiben können!

    Grüße

    Markus

    • Ja, bisher funktioniert der NaNoWriMo für mich überraschend gut. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so gut gut läuft. Gerade da ich dieses jahr über eigentlich schreibtechnisch nicht viel gemacht habe.

      Schöne Grüße
      Wilfried

  2. Sanne sagt:

    Was dem Zeichner der #Inktober scheint dem Schreiber der #NaNoWriMo zu sein. Kulturschaffen im Wechsel der Jahreszeiten.
    Den Inktober erwäge ich nächstes Jahr mitzumachen (so er mich nicht wieder völlig überraschend überrumpelt…).

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